Geschichte
" Die Wächter der Herden "-seit Anbeginn der Herdentierhaltung schützen und bewachen große und wehrhafte Hunde die Lebensgrundlage der Hirtenvölker. Es gibt leider keine wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse, wann und wo die Hunde im Dienste der Menschen zum ersten Mal die Viehherden vor Beutegreifern und Dieben geschützt haben. Archäologische Funde deuten daraufhin, dass die ersten Herdenschutzhunde in Kleinasien gelebt haben, wo auch der Ursprung der Herdentierhaltung zu finden ist.
Erste schriftliche Erwähnungen findet man bei Sokrates (griechische Philosoph, 470-399 v. Chr.) und bei den Römern. Natürlich werden dabei keine speziellen Rassen beschrieben, sondern einen bestimmter Hundetyp, der für den Schutz der Herdentiere bestens geeignet war. Für den Hirten war niemals die Rasse seiner Hunde wichtig, sondern es zählte einzig und allein die Fähigkeit, tierische und menschliche Räuber abzuwehren und zu vertreiben.
Name
" Tornjak "-schon aus dem Namen erkennt man die Hauptaufgabe dieser Hunde, denn " Tor " bedeutet übersetzt in etwa " Schutzgatter ", worin die Herdentiere während der Nacht gehalten wurden. Die Hunde, die die Herde während des Tages auf der Weide und während der Nacht im " Tor " beschützten, waren für die Hirten eben die Tornjak.
Herkunft
Der Tornjak ist eine der Herdenschutzhunderassen Südosteuropas. Eine erstmalige schriftliche Erwähnungen stammt aus dem 11. Jahrhundert. In den bischöflichen Archiven von Djakovo findet man die Beschreibung von " Berghunden "(canis montanus) aus dem Jahr 1062, die den heutigen Tornjaci sehr nahekommen. Die Hunde hatten eine Schulterhöhe von 60 bis 75 cm, es werden auch verschiedene Fellfarben erwähnt. Spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg gerieten die Tornjaci in die Mühlen der Politik. Die Republik Jugoslawien war in allen Schlüsselpositionen von Serben dominiert, so auch die Hundezucht. Und so wurde als alleiniger Herdenschutzhund der Sarplaninac gefördert. Zwar beschäftigen sich immer wieder nationale Kynologen mit dem Tornjak, aber es kann zu keiner Rasseanerkennung. Ratomir Orban, ein kroatischer Kynologe, beschrieb 1958 in der Zeitschrift "Moj Pas" die Hirtenhunde Jugoslawiens, wobei er auch die Tornjaci erwähnt und nach ihrer Fellfarbe einteilt.
In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts waren aber die Tornjaci beinahe ausgestorben.
Beginn der modernen Zucht
In den frühen siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden von Hundeenthusiasten die wenigen noch vorhandenen Tornjaci im dalmatinischem Hochland und in den Bergregionen des heutigen Bosnien aufgespürt und einer planmäßigen Zucht zugeführt. So sollen bis 1991 321 Tornjaci beim "Jugoslawischen Kynologischen Verband" eingetragene gewesen seien. Mit dem Zerfall der Republik Jugoslawien und der Unabhängigkeit Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas wurden die Tornjaci sowohl in Kroatien als auch in Bosnien-Herzegowina als eine Art Nationalheiligtum auserkoren und beide Staaten reklamieren die Hunde als ihre ureigene Rasse. Inzwischen sind in Kroatien rund 1000 Tornjaci in den Zuchtbüchern registriert, in Bosnien und Serben sollen es sogar noch mehr sein. Mit südländischem Temperament und einem gewissen Hang zum Fabulieren behauptet jede Seite, den einzigen und wahren Tornjak zu vertreten. Kroatien bezeichnet den Tornjak-in Anlehnung an den " canis montanus "-inzwischen als "Kroatischer Berghund Tornjak ".
Standard
Der Tornjak ist ein Hund mit einem kräftigen Körperbau ,starken Knochen und einer sehr gut entwickelten Muskulatur. Im Wesen ist er ruhig, gelassen und auch fremden Kindern gegenüber freundlich und geduldig. Fremden gegenüber ist er zurückhaltend. Generell befindet sich seine Aggressionsbereitschaft eher am unteren Ende der Scala der Herdenschutzhunde.
Rüden erreichen eine Schulterhöhe von 67 bis 73 Zentimeter, Hündinnen von 62 bis 68 Zentimeter. Das Gewicht der Rüden bewegt sich zwischen 50 und 60 Kilo, bei den Hündinnen zwischen 35 und 45 Kilo. Der Kopf soll eher lupoid sein, der Stop ist schwach ausgeprägt. Das Fell mit einer ausgeprägten Unterwolle soll lang sein und bei den Rüden eine Art Mähne bilden. Die Färbung darf niemals einfarbig sein, ansonsten sind alle Farben erlaubt, aber immer mit einer weißen Grundfarbe.
© Alex Hutter (Text), Ilona Hambitzer (Bilder), Freunde des Herdenschutzhundes |