Herkunft
Der Sarplaninac ist eine sehr alte Hunderasse auf dem Balkan und war Teil des Hirtenlebens seit alters her. Jahrhundertelang diente er den Hirten zum Schutz gegen Bär und Wolf. Das im Süden des ehemaligen Jugoslawien, am nördlichen Rand der Provinz Mazedoniens gelegene, ca. 1000 km lange Sar Planina Gebirge gab diesen großen muskulösen Hunden seinen Namen. Hier in der Sar Planina sind die Winter sehr hart, kalt und lang. Nicht selten liegt der Schnee meterhoch. Temperaturen von minus 20 Grad sind keine Seltenheit, was auch das ewige Eis an den Spitzen der Berge bestätigt. Die Sommer sind meist kurz und frisch, die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 3,9 Grad C. In diesen unwirtlichen Gebieten leben nur wenige Menschen, vereinzelt auf abseits gelegenen Höfen. Sie leben von der Viehzucht, hauptsächlich von Schafen, die in großen Herden gehalten werden, teilweise bis zu 25.000 Stück. Die Graskomplexe befinden sich überwiegend auf einer Höhe von 1800 m über dem Meeresspiegel.
Diese harten Lebensbedingungen haben aus der Rasse feste, kräftige und muskulöse Hunde gemacht und nur Welpen, die diesen harten Bedingungen und Gefahren trotzen, konnten überlebten. So hatte denn auch meist eine Hündin nur 3 Welpen, was zu dem Irrglauben führte, daß der Sarplaninac nur wenige Welpen zur Welt bringen könne. Veränderte Lebensbedingungen haben aber gezeigt, daß sehr wohl bis zu 13 Welpen geboren werden können.
Stolz und Respekt vor dem Mut und der Entschlossenheit der Tiere wurde am abendlichen Herd, wenn der Hirte sein Heim aufsuchte, zu viele Geschichten verarbeitet. Es entstanden wahre Mythen um diese Hunde und jeder Hirte wußte von einer noch mutigeren Geschichte über die Könige der Herden zu berichten.
Internationale Anerkennung
1926 wurde der Sarplaninac zum ersten mal der Öffentlichkeit auf einer internationalen Ausstellung präsentiert. 1932 wurde er als Illyrischer Schäferhund zusammen mit dem kleineren Kraski Ovcar bei der FCI registriert.
Diese Namengebung kam daher, weil man lange Zeit glaubte, daß die Illyrer die Ureinwohner Jugoslawiens waren. Unter Illyrien verstand man die im Altertum gebräuchliche Bezeichnung der Ostadrialänder im Norden von Epirus bis zum Golf von Triest. Die Illyrer waren ein aus verschiedenen Stämmen zusammengewürfeltes Volk, das seit 300 v.Chr. die Ostküste Jugoslawiens bewohnte.
Mit Sicherheit wollte man damit das Alter der Rasse zum Ausdruck bringen. Allerdings gehen die Meinungen der Autoren hier oft auseinander. Einige nehmen an, daß der Sarplaninac vom dem alten tibetischen Mastiff abstamme, der wiederum der direkte Abkömmling des schwarzen tibetischen Wolfs sein soll. Andere glauben, daß Epirus das Ursprungsland des Sarplaninac sei. Seine Urrasse sei Mylos, der alte Schäferhund der Molosser, die um 400 v.Chr. den südlichen Teil Albaniens und einige griechische Provinzen zu einem einheitlichen Königreich unterwarfen. Ebenso wird vertreten, daß eine Einkreuzung des gelben anatolischen Schäferhundes an der Rasse beteiligt sei. Andere Vermutungen sagen, daß bei Kreuzungsversuchen zwischen dem Sarplaninac und dem Kraski Ovcar, die phänotypischen Rassenmerkmale des Kraski Ovcar dominierend seien, woraus geschlossen wurde, daß der Kraski Ovcar die älterer Rasse ist.
Bei letzterem kann man indessen vermuten, daß es sich bei den Erklärungen um die typischen Probleme innerhalb der vielen Völker Jugoslawiens handelt.
1948 wurde jedenfalls der Standard für den Illyrischen Schäferhund erweitert in Typus A ( Kraski Ovcar) und Typus B ( Sarplaninac).
Erst 1955 wurde die Namengebung Illyrischer Schäferhund durch jugoslawischer Schäferhund-Sarplaninac ersetzt. Als selbständige Rassen wurden Kraski Ovcar und Sarplaninac erst 1968 anerkannt.
Allgemeine Charakteristiken des Äußeren
Der Sarplaninac ist ein Hund von mittlerer Größe, der kräftig ausgeglichen und selbstbewußt sein muß. Die untere Grenze für die Rüden liegt bei 66 cm, bei der Hündin liegt sie bei 60 cm. Erwünscht sind aber größere Hunde. Doch sollten sie so sein, daß es mit den proportionalen Standardmaßen übereinstimmt. Seine Verteidigung und das Angriffverhalten zeigt der Sarplaninac betont aktiv. Eine von Natur aus typische Eigenschaft dieser Rasse ist das Mißtrauen gegenüber unbekannten Personen.
Wichtige Charakteristiken dieser Rasse sind auch die sehr betonten geschlechtlichen Merkmale. Die Rüden sind in allen Komponenten ihres Typs kräftiger, grober, größer und haben ein auffällig männliches Verhalten. Die Hündinnen sind insgesamt zarter, kleiner, haben weniger Gewicht und sind weniger angriffslustig als die Rüden.
Der Sarplaninac ist ein einfarbiger Hund. Alle Farben sind erlaubt und zwar in allen Nuancen von weiß bis ganz dunkel. Die Farbe schwarz ist nicht erlaubt. Wichtig ist, daß es bei pigmentierten Hunden - denen, die nicht weiß sind - keine größeren weißen Flecken an Brust und Pfoten gibt und wenn, dann höchsten in Größe der Handfläche. An anderen Körperteilen, als an Brust und Pfoten, sind weiße Flecken nicht erlaubt.
Die Grundfarbe dieser Rasse, sie wird als eisengrau bezeichnet, ist an den oberen Körperteilen am meisten betont und zwar am Kopf, am Hals, am Körper und an der oberen Linie des Schwanzes. An den unteren Körperteilen geht die Farbe langsam in hellere Töne über. Unabhängig von der Farbe des Fells muß der Sarplaninac alle Schleimhäute und Krallen schwarz haben. Alle pigmentierten Hunde müssen einen dunkel pigmentierten Kopf haben, die Maske genannt.
Aufgabe des Sarplaninac
Der Sarplaninac als Hirtenhund hat in erster Linie eine Aufgabe als Beschützer der Herden, des Besitzes und seines Herrn. Er ist durchaus imstande allein alle Gefahren zu erkennen, zu analysieren und Entscheidungen zu treffen. Die Art der Bewachung, die Formationsstellung der Hunde, wenn sie bei der Herde sind, erlaubt die Feststellung, daß sie mit hohem Bewußtsein ihre Rolle und Aufgabe übernehmen. Schon bei der ersten Bewegung der Herde gehen ein oder zwei Hunde in die Richtung in die die Herde will. Sie überprüfen das Terrain, warten bis die Herde näher kommt, um sich dann wieder ohne Nervosität zu entfernen. Sie vergessen nie ihre Rolle und gehen unermüdlich ihren Aufgaben bei der Herde nach und zwar 365 Tage im Jahr 24 Std. am Tag. Ein anderer Teil der Hunde begleitet die Herde seitlich und auch im Rücken.
Der Sarplaninac ist jederzeit bereit seine ihm anvertraute Herde mit seinem Leben zu verteidigen, was seinen hohen Verteidigungstrieb erklärt. Durch sein psychisches Gleichgewicht, seinem Selbstbewußtsein und seiner Unbestechlichkeit, gepaart mit einer enormen Körperkraft ist der Sarplaninac auch für viele Aufgaben der Bewachung und des Schutzes geeignet. Da sein Beschützerinstinkt bereits genetisch vorprogrammiert ist, braucht er für seine Rolle keine Ausbildung. Er schließt sich nur einem Herrn an. Wegen seiner bereits genannten guten Eigenschaften eignet sich der Sarplaninac besonders gut zum bewachen von großen Gebieten. Er sucht sich selbständig den besten Platz, von wo er alles übersehen kann und verläßt den Wachtposten die ganze Nacht nicht, egal ob es stürmt, schneit oder regnet.
Veränderte Lebensräume
Der schroffe Charme des Balkan verbunden mit den harten Umwelt- und Lebensbedingungen, sowie dem rauhen Klima prägten den Charakter und die Persönlichkeit des Sarplaninac. Was für die Menschen hier unbedingt notwendig war, sind in unseren Breitengraden Eigenschaften, die hier nicht gebraucht werden. Damit er sich aber auch hier wohl fühlen kann, braucht der Hund eine Aufgabe und eine sehr enge Beziehung zu seinem Menschen. Sie nur in einen Zwinger abzustellen, würde diese stolzen Hunde verderben. Ihr eigenständiges handeln und die enorme Durchsetzungskraft können bei falscher Haltung Probleme mit sich bringen.
Ein ausgeglichener Besitzer, einer der sich Gedanken macht und der Fähigkeiten zu konsequentem Handeln hat, wäre der richtige Halter eines solchen Hundes. Der Halter dieses Hundes sollte Autorität besitzen, die bitte nicht mit autoritärem Gehabe verwechselt wird. Herdenschutzhunde sind nämlich sehr sensible Hunde, auch wenn sie äußerlich hart wirken, die Ungerechtigkeiten nicht vergessen.
Deshalb sollte nach Möglichkeit so ein Hund nur in erfahrene Hände kommen.
Das A und O eines guten Hundes ist sein gewissenhafter, intelligenter und ehrlicher Züchter. Einer, dem es nicht um die schnelle Mark geht oder der die Zucht seiner Hunde als guten Broterwerb nebenbei betreibt. Deshalb sollte auch der neue Halter dieser Hunde sich den Züchter als erstes genauestens ansehen. Jeder Welpe ist niedlich, aber einen schlecht geprägten oder schlecht aufgezogenen Hund 12-14 Jahre um sich zu haben, ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Der Sarplaninac gehört nämlich zu den Hunden, die ohne weiteres diese Alter erreichen können.
Jeder Halter eines zukünftigen Hundes sollte sich ehrlich die Frage stellen, ob gerade dieser Welpe wirklich der Hund ist, mit dem man viele Jahre seines Lebens teilen will. Einen Hund aus Prestigegründen oder weil er so ein Exot ist zu kaufen (oftmals kann man noch nicht einmal den Namen aussprechen) ist eine oberflächliche und gewissenlose Art sich einem Mitgeschöpf zu nähern.
Die Tierheime sprechen hiervon Bände.............
© Ilona Hambitzer (Text/Bild1), Freunde des Herdenschutzhundes |