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 Herdenschutzhund Kangal

Rasse: Kangal
Weitere Namen: Karabas (Türkei), Karabash (USA/GB)
Herkunftsland: Türkei
Verwendung: Schutz des Territoriums und der Viehherden
Farbe: Beige bis Mittelbraun mit schwarzen Haarspitzen an Brust, Hals und Rute. Ohne Abzeichen, keine Marken. Niemals gescheckt oder gestromt
Größe: Rüden bis 80 cm, Hündinnen bis 76 cm
Gewicht: Rüden 45 - 60 kg, Hündinnen 30 - 50 kg

Herkunft
Der Kangal stammt aus den mittleren, südlichen und östlichen Landesteilen der Türkei. Seine Geschichte ist eine sehr alte und kulturell interessante zugleich. Schon vor ca. 4000 Jahren entstanden Niederschriften und Zeichnungen die von den grossen, gelben Hunden der damaligen Zeit berichten. Einige der bedeutensten Skulpturen und Zeichnungen aus damaliger Zeit zeigen vielfach eine kräftige, kurzhaarige Hunderasse welche die Rute über den Rücken gerollt trägt. Ebenso werden die Hunde mit den typischen Stachelhalsbändern dargestellt die, durch nach aussen gerichtete Stacheln, den Hund vor Nackenbisse durch Wölfe und Bären schützen sollte. Dieses dem Hund umgelegte Halsband findet man heute noch vor. Der Name des Kangal geht ursprünglich auf eine gleichnamige Familie zurück die in der Provinz Sivas in der Stadt Kangal, einem traditionellen Kurort, erfolgreich diese Hunderasse züchtet. Durch die Schwarzfärbung der Maske des Kangals wir er auch Karabas, (bed. "Schwarzkopf") genannt.

Allgemeine Charakteristiken des Äußeren
Der Kangal ist großrahmig und kräftig gebaut. Er hat einen kräftigen, ausdruckstarken Kopf. Bei aller Grösse verfügt er über schnelle Bewegungsabläufe und zeigt sich stets wendig. Besonders der in der Provinz Sivas gezüchtete Kangel verkörpert den schwereren Typ. In anderen Gebieten des türkischen Zuchtgebietes findet man überwiegend den insgesamt leichter Typus vor. Charakteristisch für den Kangal ist dessen Haltung der Rute. Diese ist lang, mindestens bis zu den Sprungelenken reichend, hoch angesetzt. Sie wird wird in der Ruhestellung hängend und leicht gerollt, in der Erregung hoch und über den Rücken, in einem sauberen Kreis gerollt getragen. Die Farbe des Haarkleides ist immer einfarbig. Sie reicht von cremefarbenen bis Falbe. Immer erscheint der Kangal mit schwarzer Maske. Weiße Socken und Brustabzeichen kommen häufig vor. Insgesamt ist das Haarkleid kurz und glatt.

Wesen
Beim Kangal hat man es mit einer sehr ursprünglichen Rasse zu tun, die im Laufe ihrer Entwicklung keine nennenswerte menschliche Aufmerksamkeit oder gar Zuneigung erfahren hat. Die Hunde arbeiten in der Türkei selbständig, unter minimaler Anleitung, und es liegt in ihrer Natur, Eigeninitiative zu entwickeln. Sie werden in ihrer Heimat recht achtlos behandelt, kennen weder menschliche Zuwendung noch Ausbildung. Sie werden ausschließlich als Arbeitstiere genützt. Kangals sind wehrhafte,
selbstbewusste Hunde. Sie sind intelligent und anpassungsfähig. Die Anforderungen, die solche Lebensumstände an die Tiere stellen, haben über Jahrhunderte hinweg eine Rasse entstehen lassen, die sich durch Härte, Selbständigkeit und Mut auszeichnet. In den Dörfern Anatoliens, lebt der Kangal ohne Zwinger und Zäune. Hunde die sich übermäßig aggressiv Menschen ( vor allem Kinder)oder andere Nutztiere (Geflügel, Pferde, Rinder, Schafe) gegenüber verhalten, werden nicht toleriert und getötet. Die Reviergrenzen sind unsichtbar, und kein Hund kommt den Anderen in die Quere. Sie sind sehr Instinktsicher in Ihren Sozialverhalten . Jeden Morgen bricht eine kleine Gruppe von 2-4 Kangals mit den Schafen und den Hirten zu den Weideplätzen auf. Manchmal bleiben sie auch über eine längere Zeit in den "Yaylas" (Sommerweiden). Zur Kampfhandlungen mit Wölfen und andere Predatoren kommt es in der Türkei nur sehr selten. Der Kangal hat eine angeborene
Verteidigungsbereitschaft, und gibt sich meistens damit zufrieden, seine Feinde in die Flucht zu schlagen. Der Kangal ist ein ruhiger, ausgeglichener, stolzer und selbstsicherer Hund, der ohne unnötige Aggressivität äußerst zuverlässig alles ihm Anvertraute Menschen und Besitz beschützen. Er muss erst vorsichtig an Fremde herangeführt werden. Er verhält sich neutral, und beobachtet sie aufmerksam, wird allerdings keine große Vertraulichkeiten von ihnen tolerieren. Kangals sind keine Angreifer, und auf gar kein Fall ein "Kampfhund", sie sind zuverlässige Verteidiger. Ausgewachsen ist der Kangal mit etwa zwei einhalb Jahren, doch seine volle Reife erreicht er erst mit vier Jahren. Erst nach und nach entwickeln sich seine Beschützerinstinkte und nicht wenige Halter sind erstaunt und meistens unvorbereitet auf die drastische Veränderung seines Wesens, die mit etwa ein einhalb Jahren eintritt. Trotz allem ist der Kangal ein sensibler Hund und braucht lange Zeit um die Zuneigung die er erfährt, auch anzunehmen. Diese Riesen genießen für eine kurze Zeit diese Aufmerksamkeit, ziehen sich dann aber sehr schnell wieder zurück um ihrer liebsten Beschäftigung nachzugehen: dem Wachdienst. Es gibt nichts Oberflächliches oder Überflüssiges im Leben eines Kangal, so als ob er all seine Energie für den einen Moment aufsparen würde, wo er Besitz und Familie zu verteidigen hat - wenn es sein muss, unter Einsatz seines Lebens.

Haltung
Es bedeutet eine sehr große Verantwortung, einen Kangal in unserer dichtbesiedelten Gesellschaft zu halten. Der Kangal ist sehr intelligent, selbstbewußt und unabhängig. Das alles, gepaart mit seiner angeborenen Dominanz, macht seine Ausbildung nicht gerade leicht. Frühe Sozialisierung, eine eindeutige Rangordnung Gehorsamkeitsausbildung sind absolut notwendig. Um dieses Ausbildungsziel zu erreichen, braucht man unendlich viel Geduld, Zeit und Konsequenz. Übertriebene Härte hingegen ist gänzlich zu vermeiden, denn ein Kangal lässt sich nicht unterdrücken. Vertrauen und innere Autorität überzeugen ihn mehr, und wenn sie erst einmal seine Liebe und Respekt errungen haben, wird der Kangal (fast) alles für Sie tun. Der Kangal-Hund besitzt einen relativ starken Jagdtrieb. Er ist in seiner Heimat zum größten Teil auf Selbstversorgung angewiesen. Dabei wird er sich allerdings nie weit von seiner Herde entfernen. Tiere, auf die er als Welpe geprägt wurde, wird er stets beschützen. Der Kangal spielt selten; für "Stöckchenwerfen" oder "Ball holen" hat er keinen Sinn. Dafür gräbt er leidenschaftlich gern tiefe Löcher!

Er ist sehr genügsam, was Futter und Pflege betrifft, ist von Natur aus sehr sauber und hat eigentlich keinen "Hundegeruch". Zweimal im Jahr haart er. Nur die stärksten Tiere können die extremen Bedingungen, unter denen sie in der Türkei leben, überstehen und sich fortpflanzen. Deshalb gibt es für diese Tiere auch keine rassespezifischen Erbkrankheiten. Der Kangal ist ein in sich ruhender Hund, geduldig und umgänglich mit allen ihm anvertrauten Menschen, Kinder und Tieren. Infolge seiner ungewöhnlichen Größe und Stärke kann er im Spiel mit Kindern recht rauh sein. Wieder und immer wieder muss daran erinnert werden, dass der Kangal kein sanfter Riese ist und erst recht kein Kinderhund. Er benötigt einen großen Garten mit einem hohem Zaun, da er als aktiver Arbeitshund viel Bewegung braucht. Außerdem braucht er tolerante Nachbarn, die es ihm verzeihen, wenn er des öfteren seine tiefe, dröhnende Stimme erhebt. Von einer Zwingerhaltung ist dringend abzuraten. Zusätzlich braucht er ausgedehnte Spaziergänge. Aber Vorsicht! Mit fremden Hunden versteht er sich in der Regel überhaupt nicht, und wegen seiner Kraft und Entschlossenheit darf man ihn niemals außer Kontrolle geraten lassen. Er soll schon als Welpe den Umgang mit viele verschiedenen Menschen und Hunden kennen lernen, sich auch in ihrer Anwesenheit von Fremden berühren lassen (Zähne anschauen etc). Das ist sehr wichtig wenn z.B. der Besuch beim Tierarzt ansteht, Gäste kommen oder er mal an einer Hundeaustellung teilnehmen soll.

© Elisabeth von Buchwald (Text / Bilder), Freunde des Herdenschutzhundes
 


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