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Herpesvirusinfektion beim Hund
 
Webmaster - 25.04.2002 | 15:06

Infektöses Welpensterben
Infektion des Hundes mit caninem Herpesvirus (Fam. Herpesviridae)


Viren sind besonders kleine Krankheitserreger (ca. 0,0001 mm), die sich nur in lebenden Zellen vermehren. Das canine Herpesvirus (CHV) wurde 1965 erstmalig als Erreger des infektösen Welpensterbens in den USA beschrieben. Der Name der Familie (Herpesviridae) wurde von "herpein" (griech. = kriechen) abgeleitet, nachdem man erkannt hat, daß die durch Herpes simplex-Virus beim Menschen ausgelösten Herpesbläschen immer wiederkehren können.

Hauptmerkmal der Infektion mit caninem Herpesvirus ist die lebenslange (persistierende) und verborgene (latente) Infektion. Anders herum gesagt: Ist der Hund erst einmal infiziert, bleibt er es sein Leben lang und ist somit Virusträger. In Situationen, in denen das Immunsystem dieses Hundes belastet wird (Streß wie z.B. in Zusammenhang mit Geburt oder mit Krankheit, bei der Gabe von Corticoiden), kann es zur Reaktivierung und damit zur Ausscheidung des Virus kommen.

Das Virus kann mit Speichel, Tränen- oder Nasenflüssigkeit und auch Genitalsekreten ausgeschieden werden. In diesem Falle können sich Hunde durch direkten Kontakt (gegenseitiges Belecken, Deckakt u.ä.) gegenseitig infizieren.

Eine akute Infektion bei einem erwachsenen Hund wird nicht unbedingt bemerkt. Der betroffene Hund zeigt meist Symptome, die an eine leichte Erkältung erinnern, z.B. Hüsteln, vermehrter Augen- und Nasenausfluß. Bei der Hündin kann es zu einer leichten Entzündung des vorderen Genitalbereiches (Vaginitis) kommen und es können sich wenige kleine Bläschen an den Schamlippen zeigen.

Meist werden die Hundebesitzer erst aufmerksam, wenn es zu Störungen in der Fortpflanzung kommt. So bleibt eine Hündin nach dem Deckakt leer, oder, wenn sie nachweislich aufgenommen hat, bringt sie nur wenige, keine oder tote Welpen auf die Welt. Welpen können sich schon im Mutterleib, bei der Geburt oder kurz nach der Geburt infizieren. Solche Welpen können innerhalb der ersten 2-3 Lebenswochen erkranken und sterben.

Entscheidend für den Verlauf einer Infektion beim Welpen ist seine Versorgung mit Muttermilch, die bei einer infizierten Hündin Antikörper gegen das canine Herpesvirus enthält. Die Aufnahme dieser Antikörper kann die Infektion zwar nicht verhindern, kann aber den Welpen vor einer schweren oder gar tödlichen Erkrankung schützen. Die Wahrscheinlichkeit, daß der Hundewelpe an dieser Infektion stirbt, sinkt ab der 3. Lebenswoche: ein infizierter Welpe wird jedoch - wie bereits oben beschrieben - das canine Herpesvirus lebenslang beherbergen.

Akut erkrankte Welpen fallen dadurch auf, daß sie keine Lust haben, Futter (Milch) aufzunehmen und einen veränderten Kot bis hin zum Durchfall haben. Es können sich Symptome wie Speichel- und Nasenausfluß, Atembeschwerden und sogar zentralnervöse Störungen einstellen. Am auffälligsten ist das anhaltende Schreien der Welpen. Die Körpertemperatur der Welpen, die üblicherweise bei ca. 390 C liegt, sinkt ab, sie werden schwächer, verlieren an Gewicht und sterben.

Derzeit sind keine Impfstoffe gegen die Infektion mit canidem Herpesvirus verfügbar. Als Therapie kann versucht werden, die Abwehr des tragenden Muttertieres mit Hilfe sogenannter Paramunitätsinducer zu steigern und allgemeine hygienische Maßnahmen einzuhalten.

Die Erkennung von infizierten Hunden und damit auch von Virusträgern ist möglich, indem fragliche Tiere auf Antikörper gegen canines Herpesvirus untersucht werden. Hierzu wird dem Hund Blut entnommen und daraus Serum gewonnen. In einem sogenannten Neutralisationstest wird das Serum auf das Vorkommen von Antikörpern, die sich gegen das canine Herpesvirus richten, geprüft.

Dr. med. vet. L. Vida
Institut für Virologie, Gießen

Quelle: Dr. med. vet. L. Vida, Gießen




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