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Keine vernünftige Alternative zum Herdenschutzhund
 
Webmaster - 25.04.2002 | 23:39

"Es gibt keine vernünftige Alternative zum Herdenschutzhund". Die Behauptung, zum Schutz der Schafherden würden Kampfhunde eingesetzt, ist falsch und böswillig.

Die Hunderassen, die sich für diese Aufgabe eignen, unterscheiden sich charakterlich grundlegend von Kampfhunden. Zucht und Erziehung zielen auf völlig andere Eigenschaften und Fähigkeiten ab. Vorrangig sind ein ruhiges Wesen, möglichst fehlender Jagdtrieb, Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, sich sozial in eine Schafherde zu integrieren. Auch müssen Herdenschutzhunde groß genug sein, um einen Wolf abzuschrecken. Im Fall eines Angriffs stellt sich der Hund zwischen Herde und Eindringling. Der Wolf wird dann versuchen, dem Hund auszuweichen, und eher das Weite suchen, als Beißereien zu riskieren.

Die meisten Gebiete Europas, in denen Wolf und Schaf gemeinsam vorkommen, werden touristisch genutzt. Das betrifft die Karpaten ebenso wie die Wolfslebensräume Italiens, Spaniens und Frankreichs. Friedfertiges Verhalten gegenüber Menschen ist denn auch ein vorrangiges Ziel bei der Zucht von Herdenschutzhunden. Tiere, die sich diesbezüglich nicht untadelig verhalten, werden konsequent ausgeschieden.

Das Programm Kora (Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz) betreibt im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) ein Projekt mit dem Ziel, den Einsatz von Herdenschutzhunden zu fördern. Im Rahmen dieses Projekts wurden bisher 27 Hunde angeschafft, die meisten gehören der Rasse «Montagne des Pyrénées» an. Diese Rasse wird in Frankreich seit Jahren zur Abwehr wildernder Hunde gezüchtet.

Als zu Beginn der 90er-Jahre die ersten Wölfe aus Italien einwanderten, begann man, die Pyrenäenhunde auch gegen den Wolf einzusetzen.

Momentan stehen in den französischen Alpen um die 300 Hunde als Beschützer von Schafherden im Einsatz. Obschon die fraglichen Gebiete jährlich von Zehntausenden Touristen durchwandert werden, wurde bisher noch nie jemand von einem Herdenschutzhund ernsthaft verletzt.

Mit seiner Polemik gegen die Bemühungen, Abwehrmaßnahmen gegen Wolfsangriffe zu entwickeln, erweist Rolf Schneeberger den Schafhaltern einen schlechten Dienst. Denn der Wolf wird kommen, ob wir das wollen oder nicht. Die Wolfspopulation in Italien und Frankreich wächst stetig und breitet sich nordwärts aus. Da ist es illusorisch zu glauben, man könne die Schweiz wolfsfrei halten. Selbst wenn alle einwandernden Tiere umgehend zum Abschuss freigegeben würden, gelänge dies nicht. Einen Wolf zu erlegen ist schwierig und aufwändig. Bis ihn die Kugel trifft, kann er in unbewachten Herden Dutzende bis Hunderte von Schafen reißen. Es gibt keine vernünftige Alternative zu einem besseren Herdenschutz. Der Einsatz von Hunden ist erfahrungsgemäss die wirksamste Methode.

Quelle: Hansjakob Baumgartner, Projekt Kora (CH)




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