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Der Wolf kehrt zurück
 
Webmaster - 15.12.2001 | 13:18

„Wölfe im Harz?" Ein Faltblatt mit diesem Titel lag auf dem Tisch. Sollte die Nationalparkverwaltung nach dem Luchs nun auch den Wolf im Harz auswildern wollen?

So weit ging denn der Referent im voll besetzten Kurhaus nun doch nicht; mit dem Faltblatt wollte der kleine Tierpark bei Thale Sponsoren sammeln: „Aber der Wolf kommt zurück – und ausschließen möchte ich nicht, dass er eines Tages im Harz von ganz allein auftaucht!", war das Fazit von Erik Zimen.

Die Nationalparkverwaltung hatte den bekannten Wolfsforscher, Filmemacher, Ökobauern und Sach-, Kinder- und Jugendbuchautor in den Harz zu einer Informationsveranstaltung für die Jäger und Waldführer geholt. Das Interesse war beachtlich. Der Wolf, der „riesige Sympathieträger", so Dr. Barth, „ist ein Thema."

Hunde sind seit Jahrtausenden der Menschen liebste Tiere; ihre Vorfahren, die Wölfe, gehören zu den meist Gefürchteten und Gehassten. Sie seien laut Zimen ein Symbol des Bösen und dabei unterstrich er seine These mit Beispielen aus der Märchenwelt bis zu Darstellungen in Kunst, Kultur und Geschichte. Vor allem die Jagdgeschichte ist voll mit Beispielen von Wolfsgruben, Fallen, Hetzhunden, Ködern, Fanggräben, Netzen, Tellereisen, Giften und Wolfsangeln.

Lange Zeit konnte sich der Wolf durch List und erstaunliche Anpassungsfähigkeit den Nachstellungen widersetzen; erst zwischen 1830 und 1880 kam sein Ende in Mitteleuropa. Dabei meide der Wolf den Menschen wo er kann, berichtete der Forscher. Seit 200 Jahren sei es nicht mehr vorgekommen, dass ein Wolf einen Menschen angegriffen habe. Haustiere bleiben beliebte Nahrung.

Anders bei den Italienern: In der Sage von der Gründung Roms säugt eine Wölfin die Kinder Romulus und Remus, die späteren Gründer der Hauptstadt. In Italien war der Wolf nie ausgerottet; hier gab es die weltweit erste Unterschutzstellung und ein erfolgreiches Erhaltungsprogramm. In der Tat haben Wölfe zu (menschlichen) Kindern eine besondere Zuneigung, weiß Zimen von seinen Forschungen zu berichten.

In den USA ist der Wolf ein Symbol für das Letzte, was von ursprünglicher Natur übrig geblieben ist – der Indianer, der mit dem Wolf tanzt: Beide Opfer eines europäischen Imperialismus? Und Hoffnung zugleich. Denn der Wolf kommt zurück. Seit etwa 20 Jahren sind einzelne Wölfe aus Spanien und Italien, aus Polen und den Karpaten sowie aus dem Osten Skandinaviens nach Mitteleuropa eingewandert. Auch nach Deutschland, ins bayrisch-böhmische Grenzgebiet, nach Sachsen, Brandenburg. „In Deutschland leben etwa 5 bis 20 Tiere", schätzt Zimen.

Auch im Harz war der Wolf sehr verbreitet. Flurnamen wie Wolfsberg, Wolfsbach oder die bekannte „Wolfswarte" erinnern noch daran. Die Jagd auf den Wolf war hier erbarmungslos. Häufig setzten die Jäger die bekannte „Wolfsangel" ein, bei der die Tiere sich aufspießen und nach Stunden erst jämmerlich verenden. Graf Ferdinand von Stolberg-Wernigerode erlegte den letzten Wolf im Harz nach einer Treibjagd am 23. März 1798. Ein Stein am Pfortenberg nahe dem Rasthaus „Plessenburg" (bei Ilsenburg) erinnert an das wenig rühmliche Ereignis.

Der Wolf (lat. Canis lupus) gehört zur Familie der Canidae oder „Hundeähnlichen" und war ursprünglich mit mehreren Unterarten über ganz Eurasien und Nordamerika verbreitet. Er ist die Stammform aller unserer Haushunderassen. Ausgewachsene Wölfe erreichen eine Länge von 1,6 Metern und ein Gewicht von 80 Kilo.

Heute können Wölfe im Harzer Raum nur noch in wenigen kleinen Gehegen beobachtet werden, wie im Tierpark im Christianental bei Wernigerode oder auf dem Hexentanzplatz bei Thale. Im alternativen Bärenpark Worbis, wo mit den Bären auch die Ahnen unserer Haushunde leben dürfen, haben sie schon weit mehr Lebensraum. Das so vollmundig angekündigte Tierfreigehege des Nationalparks wird wohl kaum noch Realität werden.

Quelle: Thomas Götz




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