Ein Job für die so genannte "Verhandlungsgruppe", eine zehnköpfige Spezialeinheit des Polizeipräsidiums Bielefeld. Einer der speziell geschulten Beamten nahm Kontakt zu dem Mädchen auf und stellte in einem langen Gespräch fest, dass sie sehr an ihrem Hund hängt.
Der Polizei gelang es, das geliebte Tier zu dem Mädchen zu bringen, das sich darauf hin beruhigen ließ. Gegen 12 Uhr, zweieinhalb Stunden nach ihrem Auftauchen auf der Brücke, kletterte die Schülerin körperlich unversehrt über das Geländer zurück.
"Es darf zu keiner Zeit eine Pause entstehen"
Ulrich Spangenberg
"Die 15-Jährige befindet sich jetzt in einer Gesprächstherapie. Motive für die Handlung sind noch nicht bekannt", so Polizeisprecher Uwe Bauer.
"Unsere wichtigste und schwierigste Aufgabe ist es, sich ein Bild von dem Menschen gegenüber zu machen", sagte Ulrich Spangenberg, Leiter der "Verhandlungsgruppe", nach dem Einsatz in Oerlinghausen zur LZ. Er schätzt, dass die für den ganzen Regierungsbezirk zuständige Spezialeinheit zwischen 35 und 50 Einsätze im Jahr hat Geiselnahmen, Entführungen, Erpressungen oder eben auch Suizid-Versuche.
"Wir versuchen, die Situation durch Kommunikation zu deeskalieren", so Spangenberg. Meistens reise die ganze Gruppe zu einem Einsatz an. Oft führe aber nur ein Beamter das schwierige Gespräch. "Dies geschieht, um den Gegenüber nicht zu verunsichern. Allerdings ist der Rest der Truppe im Hintergrund tätig. In den teilweise mehrstündigen Unterredungen darf zu keiner Zeit eine Pause entstehen." Damit dem Gesprächsführer nicht die Themen ausgehen, denken die mit ihm verbundenen Kollegen aus der Einheit stets mit.
Für die Zeit des Einsatzes an der Fußgängerbrücke wurde der Bereich großräumig abgesperrt und der Verkehr auf der Tunnelstraße umgeleitet. Die Polizei wollte Schaulustige unbedingt fern halten, um Panik bei der 15-Jährigen zu vermeiden.
Die Mitglieder der "Gesprächsgruppe" aus Bielefeld sind durchweg erfahrene Polizeibeamte, die eine einjährige Zusatzausbildung in Sachen Psychologie und Kommunikation absolviert haben. Sechs dieser Spezialeinheiten gibt es in NRW. Bei Großeinsätzen werden auch mal alle gleichzeitig angefordert: wie beispielsweise bei dem 50-stündigen Geiseldrama Ende vergangenen Jahres in Aachen. |